Yoga – Pratyahara oder Achtsamkeit?

Yoga - Pratyahara oder Achtsamkeit / Pixabay

Was hat Patanjali mit Deiner Seelenruhe zu tun? Was ist Pratyahara und die tiefere Bedeutung? Die Asanas, die Körperhaltungen im Yoga, sind für viele Praktizierende ein Einstieg zu mehr. Oft werden die Atemübungen und eine Entspannung oder Meditation von Anfängern als Teil der Yoga-Stunde angenommen, obwohl physische Fitness im Vordergrund steht.

Doch bald zeigt sich die Wirkung von Yoga mit diesen Elementen und auch die Neugierde erwacht, mehr von der indischen Philosophie zu erfahren und sie auch zu praktizieren.

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Der achtgliedrige Pfad nach Patanjali als Hilfestellung?

Ein guter Einstieg in die Yoga-Philosphie sind die acht Stufen, die Patanjali in seinem Yoga Sutra beschreibt, die zur Erleuchtung führen sollen.

Bei den ersten beiden Stufen Yama und Niyama handelt es sich um Verhaltensregeln mit seiner Umwelt und mit sich selbst. Beispiele dafür sind Zurückhaltung oder Wahrhaftigkeit sowie Reinheit, Zufriedenheit und Disziplin.
Vieles hat mit Achtsamkeit zu tun und die Auslegung der Yamas und Niyamas führt unter Yogis und Yoginis vielfach zu Diskussionen. Ein Beispiel ist, ob eine pflanzliche Ernährung, zur Gewaltlosigkeit gehört, damit keine Tiere getötet werden müssen.

Yoga-Haltungen und Atemtechniken, als 3. und 4. Stufe?

So handelt es sich um Themen, über die bewusst lebende Menschen bereits nachdenken, wodurch die Yoga-Philosophie oft auch ihre Unnahbarkeit verliert. Dazu gehören auch die Asanas als dritte Stufe und die Pranayamas (die Atemtechniken) als vierte Stufe, die bereits aus der Yoga-Stunde bekannt sind.

Was ist Pratyahara – der Rückzug der Sinne?

Bei der fünften Stufe des Yoga-Pfades handelt es sich um Pratyahara. Wenn von Rückzug der Sinne als Erläuterung gesprochen wird, dann kann dies Verwunderung hervorrufen, denn sollen wir nicht achtsam mit uns und unserer Umwelt umgehen und braucht es dazu nicht unsere Sinne?

Pratyahara – die Einkehr?

Wenn wir die ersten Stufen betrachten, dann können wir sie als äusserliche Aktivitäten verstehen, während die letzten drei Stufen, Konzentration (Dharana) und Meditation (Dhyana) mit der achten Stufe Samadhi, sich dem Ziel des Eins-Sein zu nähern, eine „innere Qualität“ besitzen.

Eine Brücke von aussen nach innen?

Die fünfte Stufe Pratyahara des Yoga-Pfades kann somit als eine Brücke zwischen aussen und innen verstanden werden. Unsere Sinne sind wie Antennen, die Äusseres wahrnehmen. Nun möchten wir unsere Aufmerksamkeit nach innen lenken.

Pratyahara – keine bewusste Entscheidung?

Der achtgliedrige Yoga-Weg wurde nicht willkürlich sondern sehr bewusst erstellt. Nicht umsonst sind die Pranayamas vor Pratyahara und nicht umsonst sind sie auch eine Hilfe bei der Meditation. Denn wenn wir unserem Geist bei der Meditation befehlen würden, sich nach innen zu richten, dann würde er vermutlich das Gegenteil tun.

Wenn wir mithilfe der Atmung beginnen unsere Sinne von ässeren Reizen zurückzuziehen, erreichen wir unsere Seelenruhe. Sie geschieht nicht bewusst. Es ist diese ersehnte Ruhe, die wir uns oft an hektischen Tagen und Reizüberflutungen wünschen.

Mithilfe der klassischen Pranayamas und der Vorbereitung durch die vorherigen Stufen des achtgliedrigen Yoga-Pfades können wir unsere Seelenruhe finden, die uns den Zugang zur Konzentration und Meditation erleichtert und damit auch den Weg zu unserem wahren Sein, dem All-Ein.